Panel „Coding, hacking und digital literacy“ auf der re:republica 2016

republica16Auf der diesjährigen re:publica in Berlin wurde ich zu einem Panel zum Thema „Coding, hacking und digial literacy“ eingeladen, um gemeinsam mit Maria Reimer, Laura Lindal und Ira Diethelm über das Thema zu diskutieren. Maria und Laura aus Berlin präsentiert dabei zu anfangs ausgezeichnet, was hacken bedeutet und welche Rolle Frauen in der IT-Branche spielen. Anschließend wurde auf diskutiert, ob Informatik ein Unterrichtsfach werden sollte und wie das umgesetzt werden könnte sowie welche Rolle die Lehrerbildung dabei spielt. Die gesamte Diskussion dauert knapp eine Stunde und kann hier noch einmal angesehen werden.

Start des Projekts „Digitales Lernen Grundschule“ der Telekom Stiftung

GrundschledigitalAm 14. April 2016 startete das Projekt „Digitales Lernen Grundschule“ der Telekom Stiftung in Berlin. Insgesamt werden sechs Hochschulen gefördert, die Lehrerinnen und Lehrer für die Grundschule ausbilden und dabei für drei Jahre einen Schwerpunkt auf die Förderung von Medienbildung legen als auch digitales Lernen ermöglichen. Diese Hochschulen wurden von einer internationalen Jury unter meiner Leitung ausgewählt und werden von den Mitgliedern der Jury in den drei Jahren des Projekts auch als Paten betreut.

Gedanken zum Vortrag von Tabea Siebertz und mir auf der re:publica 2014

Unsere Idee für den Vortrag „Digital Citzienship – ein intergenerationelles Zwiegespräch“ war gewesen, einmal ein Thema anders rp14
als mit einem traditionellen Vortrag zu präsentieren. Wir wollten die Themen Privatheit und Datensicherheit aus den Perspektiven unterschiedlicher Generationen ansprechen. Dazu hatten wir uns mit einem Skript vorbereitet, welches die verschiedenen Rollen inhaltlich ausfüllte. Als dann die Präsentation anstand, ergaben sich mehrere Probleme. Zum einem wurden wir in eine Gruppe verortet, in der die drei anderen Referate praktische Anwendungen vorstellten – zB Minecraft im Unterricht oder Half-Life als Drama für den Literaturunterricht -, während wir eher theoretisch orientiert waren. Zum anderen wurden uns von den 15 beantragten Minuten Vorstellung und Umbau vom Vorredner abgezogen, so dass nur 10-12 Minuten übrig blieben. Wir hatten zwar in unserer Gruppe mit ca. 60 Teilnehmern viel Publikum, aber wir waren nach unserer Präsentation doch Tabea_Stefan_rp14unzufrieden. Dies lag daran, dass unser Konzept des gestalteten Zwiegesprächs nicht wie gedacht aufging. Es lässt sich eben nicht ein Text vorschreiben, den man dann nicht ablesen will – was ja die Idee eines Gespräch zerstört hätte -, zugleich aber immer darauf referieren will, denn sonst hätte ihn man ja nicht vorbereiten sollen. So war es aber von Beidem etwas, aber auch nicht Richtiges. Des Weiteren hatten wir das Gefühl, dass das Publikum etwas anderes, nämlich konkrete praktische Beispiele erwartet hatte, und möglicher Weise ein großer Teil mit Habermas nichts anfangen konnten, auf den wir uns mit dem Begriff der Öffentlichkeit bezogen haben. Jedenfalls war es eine interessante Erfahrung, aber wir würden es nicht noch einmal so machen. Beruhigend war dann doch, dass anschließend einige von den Medien uns gut fand und ein Vertreter der Konrad-Adenauer-Stiftung uns für die Thematik gelobt hat und meinte, unser Thema hätte mit einer Stunde angesetzt werden sollen. So fährt man kopfhörerdoch etwas beruhigter nach Hause. Die re:publica als Veranstaltung war mit wenigen und kurzen Pausen und lautes Umfeld etwas stressig. Zu Letzterem: ein größerer Raum war für zwei parallele Vorträge nur durch einen Vorhang getrennt, so dass in der einen Gruppe alle Kopfhörer aufhatten und so ihrem Vortrag lauschen mussten. Der Lärm aus der Nachbargruppe war aber trotzdem nicht zu überhören. Auch war wie immer auf vielen Veranstaltungen manches langweilig, manches schon längst gesagt worden.  Aber insgesamt eine interessante Veranstaltung mit vielen neuen Eindrücken und eine gute Erfahrung.

Digitale Tafeln an holländischen Grundschulen

Die Kinder sitzen in einem Stuhlkreis und singen Lieder mit, die die Lehrerin über Youtube auf die digitale Tafel projiziert hat. Den Kindern macht es Spaß, die kleinen Zeichentrickfilme mit den Kinderliedern anzusehen und gleichzeitig auch mitzutanzen. So macht der Beginn des Schulalltags in der Grundschule in Den Haag Freude. Digitale Tafeln spielen in den Schulen in den Niederlanden eine große Rolle und werden auch in der Grundschule vermehrt eingesetzt. Die Lehrerin bereitet zu Hause die Tafelbilder vor und beginnt den Unterricht mit ihrem Laptop, den sie kurz an das Interactive Whiteboard anschließt und sofort das Gespräch mit den Kindern beginnt. Sie kann darüber hinaus auch auf Software zurückgreifen, die über das Internet zur Verfügung steht. So beginnen die Kinder nachdem sie zusammen gesungen haben mit dem Erlernen von Buchstaben. Auch hierzu gibt es eine Software, die die die Lehrerin nutzt, um unterschiedliche Buchstaben anzuzeigen und die Kinder diese nachsprechen zu lassen. Mit Hilfe eines Schiebereglers kann sie sogar die Geschwindigkeit der Abfolge der Buchstaben bestimmen. Mit einem Mausklick wechselt sie zu einem anderen Aufgabenblock. Die Kinder sollen an einem abgebildeten Menschen verschiedene Körperteile identifizieren. Sie nehmen dazu den für das Whiteboard notwendige Stift und tippen damit auf das gesuchte Körperteil, nachdem die Lehrerin ihnen den Begriff gesagt hat. Für die Kinder – es handelt sich um die dritte Klasse (entspricht in Deutschland der ersten Klasse in der Grundschule, da in den Niederlanden die Schule genau mit dem vierten Geburtstag beginnt) – ist es eine Selbstverständlichkeit, eine digitale Tafel zu benutzen. Die Vorteile liegen ja auch auf der Hand: Integration vieler Medien ohne umständliche die entsprechenden Geräte aufzubauen, Abspeichern von Tafelbildern, Vorbereitung eines Tafelbildes zu Hause, Interaktive Nutzung von Texten, Schaubildern und Aufgaben.

Aber schauen wir noch einmal in eine andere Klasse, eine vierte, also der zweiten deutschen Grundschulklasse. Die Kinder lernen mit Zahlen umzugehen und beginnen die Uhr zu lesen. Auch hier wird ein Interactives Whiteboard genutzt. Die Lehrerin öffnet die Webseite www.time-for-time.com, auf der eine Interactive Uhr angeboten wird. Mit einem Klick lassen sich die Zeiger einstellen und verändern, wobei unterschiedliche Schritte gewählt werden können. Schnell lässt sich ‚eine halbe Stunde nach zehn Uhr‘ oder ‚elf Uhr fünfzehn‘ einstellen. Auch können die Kinder damit rechnen, wenn die Lehrerin fragt, wie viel Uhr es sei, wenn man um zehn Uhr verabredet ist, aber noch zehn Minuten warten muss. Die Anzeige auf der analogen Uhr lässt sich auch als digitale Angabe anzeigen. nach diesem Teil des Unterrichts wählt die Lehrerin auf der digitalen Tafel eine weiße Seite mit Linien. Mit dem elektronischen Stift schreibt sie nun kleine Textaufgaben an, die die Kinder auf einem ausgeteilten Blatt bearbeiten sollen. Sie benutzt das Interactive Whiteboard also als ganz normale Tafel. Mit ebenfalls einem Klick am Ende der Stunde ‚wischt‘ sie die Tafel sauber für den nachfolgenden Unterricht. Keine der Lehrerinnen, mit denen ich gesprochen habe, möchte wieder zur alten Kreidetafel zurück gehen. Sie finden das Interactive Whiteboard praktisch, erleben die Kinder als aufmerksam und für sich selbst als Erleichterung. Im niederländischen Bildungssystem werden eine Vielzahl von Anwendungen über das Internet zur Nutzung in der Grundschule angeboten. Das müssten wir doch auch in Deutschland können!

iPads für Kinder

Im Internet kursieren immer öfter Berichte über sehr junge Kinder, die schon kompetent mit einem iPod touch, einem iPhone oder sogar einem iPad umgehen können. Ich kann diese Berichte aus eigenen Beobachtungen und Erfahrungen meiner beiden Enkel im Alter von 3,5 und 7 Jahren nur bestätigen. Sie beherrschen schon seit ich das iPad mir im Mai 2010 angeschafft habe sehr gut die Gestennavigation, fanden sehr schnell heraus, worauf man mit dem Finger tippen muss, wie man wischt um umzublättern, dass man mit dem Daumen und Zeigefinger ein- und auszoomen kann und dass man Objekte durch festhalten verschieben kann.
Allgemein fällt den Kindern die Gestenkommunikation von Tablets viel leichter als die Bedienung einer Maus. Bei Letzterer müssen sie sehr gut die Hand-Augen-Koordination beherrschen, wobei dazu kommt, dass die Hand mit der Maus sich auf einer anderen Fläche bewegt als der Cursor auf dem Bildschirm. Auch der oftmals notwendige Doppelklick fällt den Kindern mit der Maus schwer. Auch sind die Tablets wie das iPad so klein und leicht, so dass Kinder nicht auf einen Stuhl vor einem Tisch mit einem Computer sitzen müssen, sondern das iPad auf den Schoß nehmen können, wenn sie etwa auf der Couch oder auf dem Boden sitzen. Warum diese kompetente Nutzung der Kleinsten? Ältere Kinder sind vielleicht nicht mehr die so genannten digital natives, die mit den neuen digitalen Medien wie das iPad aufgewachsen sind. Sie sind schon zu sehr – entweder zu Hause oder in der Schule – den traditionellen Desktop-Computer oder das Notebook gewohnt. Außerdem bevorzugen sie eher Anwendungen, die entweder als Spiel interessant und vom Notebook her bekannt sind oder sie verlangen herausfordernde Programme. Die müssen aber erst für die Tablets wie das iPad entwickelt werden. Einige wie etwa Crankamacallit oder The Fantastic Flying Books of Mr. Morris Lessmore sind zwar genau für die älteren Kinder entwickelt worden, liegen aber momentan nur in englischer Version vor. Auf dem iPad gibt es gerade für die jüngeren Kinder viele Apps, entweder Spiele, Programme zum Malen mit den Fingern oder interaktive Bücher zum Selberlesen oder Vorlesenlassen. Schon die Kleinsten im Alter von 2-3 Jahren können einfache Spiele, wie etwa Marble Mixer spielen, da sie nur mit ihren Fingern Murmeln in – natürlich virtuelle – Löcher kicken müssen. Auch malen sie gerne auf dem iPad wie etwa mit Zeichen Pad oder Doodle Buddy, in dem sie mit dem Finger oder einem speziellen Stift kreativ sein können. Die Auswahl an Stiften und Farben ist riesengroß und auch Stickers mit vielfältigen Motiven lassen in das Bild einbauen. Bei den Bilderbüchern für Kinder sind die Pixies herauszustellen, die Geschichte von Rapunzel oder die 3 Schweinchen und der Wolf. Immer gibt es etwas zum Anklicken und zum Animieren. Auch das Wimmelbuch für das iPad macht gerade deswegen den Kindern so viel Spaß.

Vorlesende Geschichten auf dem iPad geben den Kindern, die noch nicht lesen können, die Gelegenheit, auch dann sich mit Geschichten auseinanderzusetzen zu können, wenn gerade von den Eltern oder Geschwistern niemand dafür Zeit hat. Sie werden dadurch selbstständiger im Umgang mit Literatur, was aber nicht heißen soll, dass das mit Vater oder Mutter gemeinsame Lesen von Büchern darunter leiden soll. Viel entscheidender ist, dass Kinder sich schon früh mit Geschichten und Charakteren befassen und dabei ihre Phantasie walten lassen. Dies kann auch alleine mit einer vorlesenden Geschichte auf dem iPad geschehen.
Jedenfalls sehe ich in dem iPad oder überhaupt in den Tablets die Zukunft des Computers. Die einfache Bedienung und Handhabung dürfte für eine weite Verbreitung sorgen und damit die alten Geräte bestehend aus einem Gehäuse, einer Tastatur, einem Bildschirm und einer Maus ablösen. Sicher dauert es noch etwas, um die Laptops bzw. Notebooks überflüssig zu machen, aber der Gestenkommunikation gehört sicher die Zukunft. Dass Tablets sich vor allem auch für das Lesen digitaler Bücher eignet, darauf werde ich in einem nächsten Bericht eingehen.

Shanghai 3

Der Donnerstag begann mit einem Besuch in dem Seminar von Masterstudierenden bei Ke Yu, dem ich die Einladung an die

 

Ke YU und Stefan

 

Universität verdanke. Ich stelle einiges über die Nutzung digitaler Medien in unseren deutschen Schulen vor, besonders der neue Trend zu interaktiven Whiteboards. In dem Seminarraum stand selbst ein solches, so dass ich den Aufbau gut illustrieren konnte. Die Studierenden waren von den Möglichkeiten beeindruckt, die die präsentierten Beispiele aufzeigten. Zugleich diskutierten wir aber auch die Frage, ob der finanzielle Aufwand sich rechtfertigen lässt. In chinesischen Schulen gibt es zwar noch wenige solcher Whiteboards, aber die Schulen – jedenfalls die ‚besseren’ – statten sich schon damit aus. Am Nachmittag durfte ich dann einen Vortrag zum Thema „Teacher education and media literacy“ vor ca. 200 Studierenden halten. Eigentlich handelt es sich bei der Veranstaltung um eine Ringvorlesung, die nur von den Dekanen der Shanghai Normal University gehalten wird. DA ich aber auch Dekan bin, durfte ich diese Vorlesungsreihe mit meinem Beitrag eröffnen. In dieser Veranstaltung zeigten die Studierenden besonders starkes Interesse an meinem Thema, was besonders dadurch auffiel, dass sie viele Fragen stellten, das sonst nicht üblich ist. Als ich meinen iPad benutzte, um einen Film, den ich nur darauf mitgebracht hatte, vorzuführen, ging eine Raunen und ‚Ahs’ und ‚Ohs’ durch den Hörsaal. Irgendwie stehen die Chinesen anscheinend auf den iPad, den diesen Effekt erlebte ich fast jedes Mal. Er ist aber aufgrund seines hohen Preises für die meisten chinesischen Studierenden unerschwinglich. Er ist jedoch in der Hinsicht besonders attraktiv für sie, da sie auf solche ‚gadgets’ stehen. Mir wurde gesagt, wer einen Apple-Computer habe, sei ‚cool’. Diese modernen digitalen Medien stehen jedoch in starken Kontrast zu manchen Hörsälen, die ich besuchte. Sie haben noch sehr alte Holzbänke und kaum modernisiert worden. Trotzdem habe ich durch diese zwei Veranstaltungen einen guten Einblick in die Denkweisen der chinesischen Studierenden bekommen.

Gärten und Parks in Tokyo und Shanghai

Eine Besonderheit asiatischer Städte sind die vielen Parks und Gärten, die es in den Stadtgebieten gibt. Sie stellen Ruhepole in der städtischen Hektik dar. Mit ganz wenigen Ausnahmen ist der Eingang kostenfrei. Manche sind deswegen auch mit einer Mauer umgeben, um den Lärm abzuhalten. Was in Shanghai besonders auffällt ist, dass viele ältere Menschen sich hier treffen, um entweder nur miteinander zu plaudern, Spiele zu spielen – meist die Männer beim Kartenspielen – oder, was uns besonders beeindruckt hat, gemeinsam Musik zu machen. Entweder wird eine Stereoanlage mitgebracht und klassische chinesische Lieder im Karaoke-Stil geboten, oder andere packen ihre Instrumente aus und begleiten di Sängerin. Auch tanzende Paare haben wir gesehen. Zugleich trifft man aber auch viele junge Paare hier, die wahrscheinlich nur hier einen ungestörten Ort zur Gemeinsamkeit finden. Dann gibt es wieder Parks, wo man entweder auch noch im hohen Alter Walking macht oder man sieht sie in den typischen chinesischen Schlafanzügen im Park wandeln, die auch zum Ausgehen gemacht sind. In einem japanische Park konnte wir eine Hochzeitspaar beobachten, das vermutlich hier eine Trauung vorgenommen hat. Die Parks sind alle auch sauber und sehr gepflegt angelegt.

The Highschool Affiliated to Fudan University und Fudan University

Der Mittwoch war durch zwei Ereignisse bestimmt: morgens besuchte ich ein Gymnasium – The Highschool Affiliated to Fudan

Highschool Affiliated to Fudan University

University – und nachmittags hatte ich einen Vortrag über unser ZEITLast-Projekt an der renommierten Fudan-Universität. Das Gymnasium ist dieser Universität angeschlossen und auch benachbart. Beeindruckend ist das gesamte Gelände und das Gebäude. Alles ist mit Grünflächen und Pflanzen angelegt. Empfangen wurde ich vom stellvertretenden Schulleiter (mein Besuch wurde schon am Schultor in Leuchtschrift angekündigt), der  mir ausführlich die Schulgeschichte und die Schulstruktur vorstellte. Die Schule hat 2.000 Schülerinnen und Schüler – davon 400 internationale aus 16 Ländern – sowie 230 Lehrpersonen. Die Schule ist einer renommiertesten in Shanghai, wenn nicht sogar in China. Ein eigenes Schulmuseum, in dem ausgestllt ist, wer alles hier an der Schule gelernt hat und welche Besuche hier waren (z.B. Bill Clinton zweimal) – macht dies deutlich. Alles ist nur mit dem Feinstes ausgestattet. In dem Besucherraum standen dicke Ledercouches und –sessel, die so vornehm ich an noch keiner deutschen Schule gesehen habe, so dass ich mich unbedingt darin fotografieren lassen wollte (man beachte auch die Mao-Figur auf dem Tisch). Überhaupt spielt das Fotografiert-werden eine große Rolle, wie man auf den weiteren Fotos sieht. Unterricht konnte ich leider nicht besuchen, dass war nicht ganz so üblich wie an der Grundschule, an der ich war. Aber durch die Fenster in den Türen konnte ich ab

Lehrerin an ihrem Arbeitsplatz

und zu einen Blick in den Klassenraum werfen. Fast alle Lehrer arbeiten hier mit ‚ppt’ wie es chinesisch genannt wird: mit PowerPoint. Eine Lehrerin für Informationstechnologien hat mir dann Auskunft über das Arbeiten mit Computer und Internet gegeben. Auch an dieser Schule arbeiten alle Lehrer mit einem ContentManagementSystem, in dem alle Schülerinnen und Schüler sowie der Leistungen verwaltet werden. Auch die Eltern können Einblick in den Leistungsstand ihrer Kinder nehmen, sie sehen, welche Hausaufgaben sie täglich bekommen und sie sehen – dies hat mich überrascht – wie viel Geld ihre Kinder in der Schule ausgeben, etwa für Essen oder anderes. Das Schulgebäude hat mehrere Bibliotheken, für Lehrer und Schüler getrennt, mit sehr vielen englischsprachigen Büchern, Zeitschriften sowie Tageszeitungen.

Man hatte auch eine große Leinwand mit meinem Geburtsjahr und meinem 60. Geburtstag gestaltet; siehe Foto (nein, es war zufällig, dass die Schule im gleichen Jahr gegründet wurde, in dem ich geboren wurde, so dass wir beide den 60. feierten;-)

An der Fudan University habe ich am Institute for Higher Education einen Vortrag vor Mitgliedern dieses Instituts sowie Studierenden zur Arbeitsbelastung deutscher Studierenden gehalten. An diesem Institut wird überwiegend zu politischen und ökonomischen Fragen der Hochschulbildung geforscht. Im Anschluss an meinem Vortrag konnten wir etwas über die Herausforderungen der Hochschule in der modernen Gesellschaft diskutieren und es wurde deutlich, dass unser altes, humboldtisch geprägtes Modell der Universität auch hier ein hohes Ansehen hat. Man diskutiert weiterhin die Verkürzung des schon beschriebenen 4+3 Modells von BA/MA-Studiengängen, da man es für zu lange hält. Die Grundfrage, die sich auch in China stellt ist die, wie zwischen  dem Ziel der Bildung und der Absicht, die Studierenden zur Berufsfähigkeit zu führen, ein Gleichgewicht hergestellt werden kann. Abschließend wurden Gedanken zu gemeinsamen Forschungsprojekten, Workshops und gegenseitigen Besuchen ausgetauscht. Insgesamt hat mir dieser Tag einen guten ersten Einblick in chinesische Schulen und Hochschulen gegeben.

 

Shanghai Normal University

Diese Woche begann mit einem ausgiebigen Gespräch und anschließenden gemeinsamen Essen mit dem Dekan der School of

Dekan School of Education SHNU

Education der Shanghai Normal University (SHNU), deren Gäste wir sind. Diese Universität ist das Zentrum für die Ausbildung der Lehrer in Shanghai und 70% dieser Lehrer haben hier studiert. Der Dekan ist hier zugleich Leiter des Zentrums für Lehrerbildung und hat vielfältige Aufgaben in der Curriculumplanung. Man ist an einer Kooperation sehr interessiert, da man gerne von dem amerikanischen Einfluss etwas abkommen möchte. Außerdem haben die deutschen Universitäten – Dank Humboldt – einen gute Ruf. Die Modelle der Lehrerbildung sehen hier so aus, dass aufbauend auf einem 4-Jährigen BA-Studium ein 3-Jähriges MA-Studium folgt, man also insgesamt 7 Jahre studiert. Das MA-Studien stellt eine Spezialisierung dar, in der man etwa den Schwerpunkt „Educational Leadership“ wählen kann. Man bildet so Schulleiter aus. Diese werden übrigens meist aus der eigenen Schule rekrutiert, wobei es ein Ausschreibungsverfahren gibt. Man hat mir aber auch zu verstehen gegeben, dass meist das Schulamt schon bestimmte Kandidaten im Auge hat, die dann auch die Stelle bekommen. Am Nachmittag wurde ich dann in das Seminar von Prof Li eingeladen, der hier „Educational Technology“ vertritt. Kaum war ich in den Hörsaal eingetreten, wurde mir auch schon das Adapterkabel für den Beamer hingehalten und ich sollte etwas über Interaktive Whiteboards berichten. Dank zweier Videos, die ich aus Mainz mitgebracht hatte, konnte ich diese Aufgabe auch gut meistern. Man war an diesen neuen digitalen Tafeln sehr interessiert und auch mein iPad machte großen Eindruck. Was aber auffiel war, dass die Studierenden – etwas 20 – trotz meiner Aufforderung keine Fragen stellen wollten. Da ging dann Prof. Li sehr direkt auf einzelne Studierende zu und fordert sie auf, mich etwas zu fragen. Das hat dann auch funktioniert. Mir viel weiterhin auf, wie veraltet das Gestühl war, im Gegensatz zu anderen Räumen bzw. den Schulen, die ich besuchte. Insgesamt bekam ich aber so einen guten Einblick in einen Seminarablauf, da ich nach meinem Vortrag noch da blieb und einem Referat mir anhörte. Da gab es keine Unterschiede zu unseren. Ein gemeinsames Foto durfte

Seminar Prof. Li

natürlich nicht fehlen.

 

Besuch der Rixin Experimental School (Grundschule) in Shanghai

Die Grundschule wurde im Jahre 2003 gegründet; sie war vorher eine Mittelschule. Sie liegt in einem Randbezirk von Shanghai, einer etwas ärmeren Gegend. Ich wurde von dem stellvertretenden Schulleiter, einem Fachlehrer für neue Medien sowie einer Schulleiterin einer anderen Schule begrüßt, die zugleich Professorin für Lehrerbildung an der Universität ist. Nach einer einem Vortrag des Fachlehrers zur Nutzung der neuen Medien in dieser Schule, konnte ich mir die Schule sowie den Unterricht ansehen. Auffällig ist, dass alle Klassenzimmer zum Gang und in der Tür Fenster haben, so dass jeder hereinschauen kann. Außerdem standen alle Türen der Klassenräume offen. Der erste Eindruck war, dass alles sehr sauber und ordentlich ist. In jedem Klassenzimmer gab es einen großen LCD-Bildschirm, der von fast allen Lehrern, die ich sehen konnte, zur Präsentation genutzt wurde. Manche der Lehrerinnen – es waren meist Frauen – haben ein Mikrofon und an dem Gürtel ein Lautsprecher hängen. Da sie den ganzen Tag reden müssen, schonen sie so ihre Stimme. Mir wurde gesagt, dass dies aber die Lehrerinnen selbst finanzieren müssen. Die Lehrer haben auch die Mobiltelefonnummern aller Eltern der Schüler. So können diese per SMS benachrichtigt werden. Ist etwa ein Schulausflug geplant und es regnet morgens, dann verschickt der Lehrer eine SMS an alle Eltern, dass die Kinder normal in die Schule kommen sollen.  Eine Unterrichtsstunde dauert übrigens 35 Minuten, nicht 45 Minuten wie bei uns. Die Kinder sitzen alle an Einzeltischen, die aber verrückt werden können. Alle Schülerinnen und Schüler haben eine Schuluniform. In der Pause machen alle auf dem Schulhof begleitet von Musik gemeinsam Gymnastik. Nach der Pause beginnt der Unterricht mit einer Meditationsminute, die auch der Erholung der Augen dient.

Was die Schule weiterhin auszeichnet, aber auch an allen anderen Schulen üblich ist, dass Kommunikations- und Lernplattformen genutzt werden. Für die Kommunikation nach Außen, zum Beispiel mit den Eltern, der Schulverwaltung oder anderen Schulen, wird MSN+ genutzt, für die Kommunikation schulintern und zum Lernen der Schüler wird Moodle eingesetzt. Alle Lehrerinnen und Lehrer müssen eine Fortbildung zur Nutzung digitaler Medien mitmachen, können aber selbst entscheiden, ob sie letztere einsetzen wollen oder nicht. So mussten vor Schuljahresbeginn am 1. September diesen Jahres alle Lehrer dieser Grundschule eine Woche lang an einer Fortbildung zum Medieneinsatz im Unterricht teilnehmen. Insgesamt lehren sehr junge Lehrerinnen und Lehrer. Mir wurde erklärt, dies hänge damit zusammen, dass während der Kulturrevolution alle Hochschulen und bessere Schulen geschlossen und die Lehrer entlassen wurden. So konnte mach der Kulturrevolution mit einer neuen, jungen Generation neu anfangen. Es gibt kaum Lehrer, die nicht den Computer im Unterricht einsetzen. Sie kooperieren auch sehr viel untereinander und mit Kolleginnen und Kollegen anderer Schulen über vernetzte Plattformen. Auch im ‚Lehrerzimmer’, dass in kleine Kabinen aufgeteilt ist, steht an jedem Arbeitplatz ein Computer. Interessant ist auch die Benotung. Schüler beurteilen sich selbst und werden von Lehrern sowie auch von ihren Eltern beurteilt. Aus diesen drei Bewertungen wird dann eine Gesamtnote gebildet, die auch der Schulverwaltung mitgeteilt wird bzw. auf der internen Webseite einsehbar ist. Die Lehrer sind nach Auskunft der Gesprächspartner alle von dem Nutzen der neuen Medien wie Computer und Internet zum Lernen überzeugt. Der Besuch hat mir gezeigt, wie selbstverständlich digitale Medien im Unterricht eingesetzt werden können, ohne das dies groß problematisiert werden muss.