Ed-Media 2009 – Tagungsablauf

Zwischendurch einmal etwas zum Tagungsablauf hier in Hawaii selbst. Die Tagung findet wie schon erwähnt in einem Hotel statt. Da dies direkt am Strand liegt, hat man immer einen schönen Ausblick auf den Strand.Hawaii_raum3 Die Räume sind in dem Hotel komfortabel ausgestattet. Morgens beginnen die Vorträge um 8.30 Uhr, aber ab 8 Uhr bekommt man Kaffee und Croissants. In dem Raum steht immer Wasser zum Hawaii_raum4Trinken.

Mediale ist man hier natürlich sehr gut ausgestattet. Etwas besonders ‚in’ ist hier Twitter. Jeder kann seine Kommentare während des Vortrags abgeben. Diese erscheinen zeitgleich auf einer Projektion parallel zu den PowerPoint-Foliender Vortragenden, so dass man sie mitlesen kann. Viele haben außerdem ihr Notebook und verfolgen entweder die Hawaii_twitter2angegebenen Links, schauen sich das Tagungsprogramm an oder – wie es anscheinend die meisten machen – checken ihre E-Mails. Insgesamt sind hier in Hawaii weniger Teilnehmer als auf den anderen Tagungen. Hawaii_emailcheckVielleicht ist dieser Ort zu weit weg oder die Finanzkrise hält viele davon ab, hierfür Geld auszugeben.

Ed-Media 2009 – Part I

Hawaii2009_alle_runterNachdem wir gestern die Hawaii Pacific University (HPU) besucht haben, steht heute und den Rest der Woche die Ed-Media 2009 im Mittelpunkt. Die Ed-Media ist eine interessante Tagung, da dort viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt versammelt sind und ihre Entwicklungen als auch Forschungsergebnisse vorstellen. Hier werden aktuelle Trends und Diskussionen vorgestellt und es gibt die Möglichkeit, mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern in Kontakt zu kommen. Es nehmen etwa 2.000 Menschen aus über 60 Ländern teil. Dieses Jahr findet die Ed-Media in Honolulu statt, jedoch mit weit weniger Teilnehmer, nämlich ca. 1.000. Der Veranstaltungsort ist immer ein Hotel, da dort ausreichend Räume und Service für so viele Menschen zur Verfügung stehen. In Honolulu ist es das SheratonHawaii_SheratonWaikiki, das direkt am Strand liegt. Von den Vortragsräumen aus blickt man auf Palmen und Sandstrand. So etwas können wir in Mainz auf unserer DGfE-Tagung 2010 leider nicht bieten. Auch wird das Wetter dann nicht die 30-Grad-Grenze überschreiten wie hier in Hawaii.

Der Tag begann mit dem Gesang einer hawaiinischen Frau, die in ihrem Lied von den Hawaii_FrauAufgaben und Herausforderungen der Erziehung in ihrer indigenen Kultur erzählte. Daran schloss sich der Hauptvortrag des Tages mit Tara Brabazon an. Dies war ein fulminanter Start! Ihr Vortrag „Mayhem, Magic, Movement and Methods: Teaching and Learning about Hearing and Listening“ handelte von der Bedeutung des Auditiven beim Lernen. Sie schilderte ihre Erfahrungen in einem Methodenkurs, in dem die Studierenden sich beschwerten, dass sie zwar Forschungsmethoden im Medienbereich kennen gelernt hätten, diese aber nicht ausreichend anwenden könnten. Anstatt mit Büchern oder Skripten zu arbeiten, entwickelte sie Audiofiles zum Lernen. Darüber hinaus stattete sie alle Studierenden mit MP3-Recorden aus, damit diese nicht Vorlesungen und Seminare aufnehmen konnten, sondern selbst aktiv in der Produktion vonHawai_BarbarzonAudiomaterial wurden. Das fantastische an diesem Vortrag war nicht der Inhalt und die Argumentation, sondern besondern die Art und Weise, wie Tara das Thema vortrug. Sie lief vor ihrem Publikum – ca. 300 Teilnehmer – auf und ab und verstand es, durch ihre rhetorischen Fähigkeiten alle im Bann zu halten. Es war fast schon eine Performance, die sie de Publikum lieferte.

Was mir besonders gefallen hat: der Begrüßungsredner – dessen Name ich leider vergessen habe – hat sich in seinem Hawaii_RednerOutfit für die Tagung voll dem dresscode in Hawaii angepasst. So kann man (leider) auf unseren Tagungen nicht auftreten!

Forschungssemester auf Hawaii!?

Da ich in meinem Forschungssemester bisher nicht in dem Unfang zum Forschen gekommen bin wie ich wollte, flüchte ich nach Hawaii. Nun, nicht ganz, aber ich nehme die Tagung ED-Media 2009 in Honolulu zum Anlass, mich über neuere Entwicklung im Bereich Multimedia und E-Learning kundig zu machen. Ein paar Tage vorher und danach werde ich nutzen, an einem Buch zur Theorie und Systematik von Medienpädagogik zu schreiben. Ich möchte darin neue Perspektiven aufzeigen, die zum einem den Herausforderungen der Zukunft in der Medienwelt gerecht werden, zum anderen aber versuchen, die Medienpädagogik stärker theoretisch und empirisch zu begründen als dies bisher geschehen ist. Zusammen mit Petra, Lena, Betty und Ioanna aus meiner Arbeitsgruppe, die nach HawaiiHawaii_Gruppemitgekommen waren, besuchten wir die Hawaii Pacific University (HPU). Sie hat etwa 7.000 Studierende und ist auf zwei Orte auf der Hauptinsel Ohaou verteilt: in der HPU GebäudeInnenstadt und etwa 20 km außerhalb. Ein besonders beliebter Studiengang ist ‚nursery’,
also die Ausbildung zur Krankenschwester, hier an der Universität angesiedelt. Zwei Studenten führten uns durch die Gebäude, zeigten uns Seminarräume und Büros. Bei den Seminarräumen gab es gut ausgestattete als auch welche, die sich kaum von denen an meiner Uni unterscheiden. Der Rundgang durch die Außenstelle ermöglichte uns auch einen Einblick in ein Studienwohnheim direkt auf dem Campus. Hawaii_Seminarraum1Hier leben vor alle die Studierenden des ersten Studienjahres und zahlen für ein karges Zweibett-Zimmer 5.000$ im Jahr! Überhaupt werden hier überall Studiengebühren verlangt, was der Uni dann auch ermöglich, viel Personal als auch tolle Gebäude und einen gepflegten Campus zur Verfügung zu stellen.  Die Betreuung spielt hier eine wichtige Rolle. In einem ‚Career Centre’ wurden uns deren Aufgaben erläutert, die vor allem in der Vermittlung von berufsbezogenen Softskills bestehen. Auch für uns aus Deutschland ungewöhnlich: Eltern begleiten ihre Kinder bei der Auswahl der Universität. Sie suchen diese nach der Qualität der Studiengänge und der Professoren, dem Freizeitangebot der Uni sowie nach der Sicherheit auf dem Campus aus.

Kompetenzen in einer digital geprägten Kultur

Im 2009 veröffentliche das Bundesministerium für Bildung einen Bericht einer Expertenkommission zum Thema „Kompetenzen in einer digital geprägten Kultur“. Nachdem „Medienpädagogischen Manifest“ ist dies innerhalb kürzester Zeit die zweite Veröffentlichung, die mit der Forderung nach Medienbildung an die Öffentlichkeit geht. Gegenüber Letzterer wird die aktuelle Veröffentlichung in ihren Vorstellungen von Medienkompetenz als auch in ihren Forderungen konkreter. Dazu werde verschiedene Themenfelder angesprochen – Information und Wissen, Kommunikation und Kooperation, Identitätssuche und Orientierung sowie digitale Wirklichkeiten und produktives Handeln -, die ein breites Spektrum abbilden, in denen Medienkompetenz notwendig ist. Zwei Dinge möchte ich jedoch dazu anmerken: Zum einen sind Bestimmungen doch wieder sehr konkret und dürften sich bei Berücksichtigung der Medienentwicklungen rasch wiederholen. Mir erscheint es notwendig, Medienkompetenz viel allgemeiner und umfassender zu bestimmen, um nicht bei jeder neuen Medienentwicklung aufs Neue eine Bestimmung vornehmen zu müssen. Ich denke hier eher an allgemeine Grundfertigkeiten die jeweils auf Medien angewandt werden können. Zum anderen wird der wichtige Punkt der Lehrerbildung angesprochen. Dies muss besonders herausgestellt werden. Unsere Erfahrungen in Schulen zeigen zwar, dass dort einiges passiert und wir viele engagierte Lehrpersonen finden, die sich um einen sinnvollen Medieneinsatz in Schule und Unterricht bemühen. Aber insgesamt gesehen ist dies jedoch zu wenig und unzureichend. So lange an den Hochschulen in der Lehrerbildung nicht da etwas verändert wird, verändert sich in der Schule auch kaum etwas. Dazu müssten zuerst auch Professorinnen und Professoren eingestellt werden, die selbst mit Medien arbeiten und diese auch in ihrer Lehre einsetzen. Des Weiteren müssten Hochschulen verstärkt auf selbstbestimmtes Lernen mit Medien setzen, also viele Bereiche auf E-Learning umstellen.

Bücher versus digitale Speichermedien

In letzter Zeit erscheinen vermehrt Artikel vor allem in Zeitungen, die gegen die eBooks, also elektronische bzw. digitale Bücher  polemisieren. Abgesehen von den trivialen und zum Teil dummen Argumenten, wie etwa, dass man mit einer elektronischen Zeitung keine Fliege totschlagen oder Fisch einpacken könnte (wer macht dies übrigens heute noch), wird vor allem auf die schlechte Lesbarkeit, die Empfindlichkeit sowie die fehlenden haptischen Eigenschaften hingewiesen. Niemand würde etwa ein gutes Buch am Strand auf einem eBook lesen oder morgens in einer elektronischen Zeitung am Frühstückstisch blättern. Der Erfolg des Sony Readers oder des Kindle von Amazon widersprechen diesem Eindruck. Der Anteil von Belletristik bei Amazon beträgt schon 40% der digitalen Bücher.

In einem Artikel in der Frankfurter Rundschau hat Umberto Ecco weiterhin auf die Eigenschaften moderner digitaler Speichermedien aufmerksam gemacht. Sie seien nicht so haltbar wie Bücher, die diesen überlegen seien. Stimmt das aber? Seine Argumente beziehen sich vor allem darauf, dass alle elektronischen Speichermedien immer wieder gefährdet seien. So hätten sich die alten Musikkassetten immer wieder verheddert, den Videokassetten wären die Farben ausgegangen oder bei den Schallplatten wäre nach gewisser Zeit die Qualität abhanden gekommen. Besonders haben es ihm die digitalen Speichermedien angetan. Niemand könne heute noch eine 3,5“-Diskette lesen, da niemand an seinem Computer ein dafür vorgesehenes Laufwerk habe. Noch schlimmer sei, dass ein Computer kaputt gehen kann oder die Daten bei einem elektrischen Stromstoß verloren gehen kann. Dies mag ja alles stimmen, aber zum einem lässt sich natürlich fragen, ob er keine Sicherheitskopien gemacht hat, also alles doppelt vorhanden ist und zum anderen natürlich auch, ob wir bei den Büchern immer so sicher sein können, dass nicht verloren gegangen sei. Den letzteres stimmt nämlich nicht. Die Befürworter der Bücher gegenüber den digitalen Medien übersehen, dass nur 10% alle geschriebenen Bücher der Öffentlichkeit zugänglich sind. Entweder lagern sie irgendwo versteckt in meist unbekannten Archiven oder sie sind durch Feuer, Krieg oder andere Umstände unwiederbringlich verloren gegangen. So sind etwa bei dem Brand in der Amalia Bibliothek in Weimar einige wertvolle Bücher vollkommen verbrannt und auch der Häusereinsturz in Köln im Frühjahr 2009 hat wichtige Dokumente auf Papier zerstört. Nur eine digitale Speicherung hätte sie retten können. Natürlich fehlen dann die haptische Qualität sowie die ästhetische Anschauung dieser Bücher, aber in erster Linie sollte es doch um die Inhalte gehen. Mir erscheinen also die Argumente gegen eBooks und digitale Speichermedien doch sehr fragwürdig und selbst im Falle von Umberto Ecco nicht ganz überdacht, wie auch im IBI-Weblog diskutiert wird.. Ich bin sehr sicher, dass bei entsprechender Lesequalität elektronische Zeitungen und Bücher sich in den nächsten Jahren durchsetzen werden.